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Diagramm 1 zeigt den Pumpenpreis eines Landes als gestapelte Fläche mit drei Bändern: unten Rohöl, in der Mitte Produktaufschlag und Marge, oben Steuern. Die Oberkante der Fläche ist der volle Preis. Der EU-Durchschnitt lässt sich als gestrichelte Linie einblenden.
Diagramm 2 vergleicht eine dieser Komponenten zwischen mehreren Ländern, jeweils gegen die Rohöllinie.
Das mittlere Band kann bei einigen Ländern und Produkten negativ werden, etwa bei niederländischem Heizöl oder maltesischem Diesel, wo Preise reguliert sind oder dem Markt hinterherhinken. Das ist kein Fehler.
Beide Diagramme rechnen in Cent je Liter. Die Stromlinie ist deshalb kein Strompreis, sondern ein Literäquivalent: der Betrag, den ein Liter kosten müsste, damit dieselbe Strecke gleich viel kostet. Gerechnet wird der Strompreis je Kilowattstunde mal R, und R ist der Stromverbrauch je 100 km geteilt durch den Kraftstoffverbrauch je 100 km.
Der Energiegehalt wäre der naheliegende Umrechnungsweg und ist hier der falsche. Ein Liter Super enthält 8,889 kWh, ein Liter Diesel 10,0 kWh; das ist der Heizwert nach Anhang III der EU-Erneuerbaren-Richtlinie, 32 MJ je Liter Benzin und 36 MJ je Liter Diesel.30 Rechnet man damit, kostet die Energiemenge eines Liters als Haushaltsstrom in Deutschland etwa das Doppelte des Pumpenpreises. Diese Zahl ist richtig und für die Frage "was kostet mich die Strecke" trotzdem die falsche: beim Kraftstoff steckt der Wirkungsgrad des Motors bereits im eigenen Verbrauchswert, den jeder kennt, beim Strom nicht. R liegt bei etwa 2,5, der physikalische Wert bei 8,9. Die Differenz ist genau die Effizienzlücke, hier als Zahl sichtbar statt im Vergleich versteckt.
Die Verbrauchswerte:
| Wert | Quelle | Beleg |
|---|---|---|
| Benzin, 7,89 Liter je 100 km | real gemessen, Bordcomputerdaten von Neuwagen der Erstzulassung 2021, Bericht COM(2024) 122 der Kommission, Tabelle 3 | 28 |
| Diesel, 6,88 Liter je 100 km | dieselbe Quelle | 28 |
| Strom, 19,7 kWh je 100 km | ADAC Ecotest, Flottenmittel, an der Steckdose gemessen, Ladeverluste enthalten | 29 |
Zum Vergleich nennt derselbe Bericht die WLTP-Werte 6,38 und 5,82 Liter je 100 km, also 23,7 und 18,1 Prozent unter dem realen Verbrauch.28
Zwei Verzerrungen stecken darin, und sie zeigen in entgegengesetzte Richtungen. OBFCM misst Neuwagen von 2021; der Durchschnittswagen auf europäischen Straßen ist älter und verbraucht mehr. Das macht die Kraftstoffseite zu sparsam. Reine Elektrofahrzeuge fallen nicht unter OBFCM, eine europäische Realmessung gibt es dafür also nicht. Der ADAC-Wert ist ein Prüfzyklus, und das schmeichelt der Stromseite. Beide Werte lassen sich mit den Schiebereglern über dem Diagramm ändern. Wer eigene Werte kennt, trägt sie ein.
Als Strompreis dient Haushaltsstrom inklusive aller Steuern und Abgaben, Verbrauchsband 2500 bis 4999 kWh im Jahr, halbjährlich von Eurostat.26 Das ist der günstigste Fall, nämlich Laden zu Hause. Wer öffentlich lädt, zahlt erheblich mehr. Die Linie ist damit eine Untergrenze und keine Prognose. Außerdem ist die Spreizung zwischen den Ländern beim Strom größer als beim Kraftstoff: Faktor 3,7 zwischen Irland und Ungarn gegenüber etwa 1,5 beim Kraftstoff. Stand 2025-S2: Irland 40,42, Deutschland 38,69, EU-Durchschnitt 28,96, Frankreich 25,61, Ungarn 10,82 Cent je kWh.26
Die beiden Reihen sind zeitlich versetzt. Kraftstoffpreise sind wöchentlich und reichen bis vor wenige Tage, Strompreise sind halbjährlich und bis zu zwölf Monate älter. Der gepunktete, hellere Teil der Linie am rechten Rand ist deshalb keine Messung, sondern der letzte bekannte Wert, fortgeschrieben. Vor 2007 gibt es keine Strompreise, dort beginnt die Linie einfach später.
Verglichen werden Kosten, nicht Umwelt- und nicht Gesamtkosten. Batterieherstellung, Fahrzeugpreis, Wartung, Versicherung und Steuern auf das Fahrzeug stehen nicht in dieser Rechnung.
Heizöl fehlt hier. Der ehrliche Gegenpart wäre eine Wärmepumpe mit ihrer Jahresarbeitszahl. Das ist eine eigene Frage und steht hier noch nicht.
Brent ist Rohöl. An der Zapfsäule kommt Diesel oder Benzin an. Der Preisunterschied zwischen beiden heißt Crack Spread, und er ist keine Konstante.
Über die letzten zwanzig Jahre lag er im Schnitt bei etwa 7 Cent je Liter. Im Sommer 2022 waren es etwa 30 Cent. Heute sind es etwa 42 Cent.
Von den rund 75 Cent je Liter, die zwischen dem Rohölpreis und dem Diesel-Nettopreis liegen, sind damit etwa zwei Drittel Produktkosten, nicht Marge.
Die Referenzen dafür heißen Eurobob oxy FOB Rotterdam Barges für Benzin19 und ICE Low Sulphur Gasoil für Diesel20, beide mit Lieferung in der ARA-Region, also Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen. Gegen Brent gerechnet ergeben sie genau den Crack Spread; die ICE führt dafür eigene Kontrakte.21 22
Die Notierungen selbst sind kommerzielle Daten von Argus und Platts. Deshalb steht auf dieser Seite keine Reihe dafür, und deshalb bleibt das mittlere Band ein Band statt zweier.
Das obere Band ist die Differenz aus Brutto- und Nettopreis. Die Meldung an das Oil Bulletin nennt nur diese Summe, nicht ihre Teile. Enthalten sind:
| Bestandteil | Art | Beleg |
|---|---|---|
| Energiesteuer, in Deutschland 65,45 Cent je Liter Super und 47,04 Cent je Liter Diesel | Steuer | 4 |
| CO2-Preis, nur in Deutschland und Österreich getrennt erkennbar | Abgabe | 5, 7 |
| Mehrwertsteuer auf alles darunter, in Deutschland 19 Prozent | Steuer | 4 |
Der CO2-Preis steckt nicht immer in diesem Band. In Deutschland erscheint er dort erst ab dem 2. Januar 2023, in Österreich ab dem 3. Oktober 2022. Davor lag er im Nettopreis, also im mittleren Band. Für die Jahre 2021 und 2022 enthält das deutsche Steuerband also keinen CO2-Anteil, obwohl der Preis längst erhoben wurde.
Die Rechnung geht auf: Nettopreis plus Energiesteuer plus CO2-Preis plus Mehrwertsteuer ergibt den Bruttopreis, in jeder geprüften Woche auf weniger als einen halben Cent genau. In neun Wochen im Mai und Juni 2026 fehlt der CO2-Anteil in den deutschen Meldungen für Super, ohne erkennbaren Grund.
Nur Deutschland und Österreich erheben den CO2-Preis neben der Energiesteuer, als eigenes System. Überall sonst steckt er, wenn es ihn gibt, im Energiesteuersatz selbst und lässt sich aus den Daten des Oil Bulletin nicht herauslösen. Sätze nach der Übersicht von Tax Foundation zum 1. April 202611; sie weist nicht aus, ob ein Satz auf Kraftstoff anwendbar ist. "Nicht geprüft" heißt: das Land erhebt eine CO2-Steuer, ob sie auf Kraftstoff anwendbar ist, wurde hier nicht belegt. Wer das nachprüfen will, findet die Steckbriefe bei der Weltbank12 und der OECD13.
| Land | CO2-Bepreisung auf Kraftstoff | Instrument, Satz | Beleg |
|---|---|---|---|
| Deutschland | eigenes System, auf die Energiesteuer aufgeschlagen | nEHS nach BEHG, 2026 versteigert im Korridor 55 bis 65 EUR je Tonne | 5, 6 |
| Österreich | eigenes System, auf die Energiesteuer aufgeschlagen | NEHG 2022, 55 EUR je Tonne | 7, 8 |
| Finnland | Bestandteil der Energiesteuer | CO2-Komponente, 2026 auf 56,80 EUR je Tonne gesenkt | 17 |
| Schweden | Bestandteil der Energiesteuer | Koldioxidskatt, 133,17 EUR je Tonne | 18 |
| Dänemark | nicht geprüft | 100,37 EUR je Tonne | 11 |
| Estland | nicht geprüft | 2,00 EUR je Tonne | 11 |
| Frankreich | nicht geprüft | 44,60 EUR je Tonne | 11 |
| Irland | nicht geprüft | 63,50 EUR je Tonne | 11 |
| Lettland | nicht geprüft | 15,00 EUR je Tonne | 11 |
| Luxemburg | nicht geprüft | 40,00 EUR je Tonne | 11 |
| Niederlande | nicht geprüft | 87,90 EUR je Tonne | 11 |
| Polen | nicht geprüft | 0,09 EUR je Tonne | 11 |
| Portugal | nicht geprüft | 67,39 EUR je Tonne | 11 |
| Slowenien | nicht geprüft | 30,85 EUR je Tonne | 11 |
| Spanien | nicht geprüft | 15,00 EUR je Tonne | 11 |
| Ungarn | nicht geprüft | 36,00 EUR je Tonne | 11 |
| Vereinigtes Königreich | nicht geprüft | 20,63 EUR je Tonne | 11 |
| Belgien, Bulgarien, Griechenland, Italien, Kroatien, Litauen, Malta, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Zypern | keine CO2-Steuer gelistet | - | 11, 12 |
Ab dem 1. Januar 2028 gilt der EU-Emissionshandel ETS2 für Kraftstoffe in allen Mitgliedstaaten; die Versteigerung beginnt 2027. Deutschland hat den nationalen Korridor von 55 bis 65 EUR für 2027 verlängert.6 9 10 Ob die Mitgliedstaaten diesen Preis dann als Steuer melden, wie es Deutschland und Österreich heute tun, ist offen.
Das mittlere Band ist der Nettopreis abzüglich des Rohölpreises. Es ist kein Gewinn, sondern eine Sammelposition. Beträge je Bestandteil lassen sich aus den Daten des Oil Bulletin nicht ableiten, die Bestandteile selbst sind bekannt. Die Liste beschreibt Deutschland; in anderen Ländern sind die Pflichtbeiträge anders zugeschnitten.
| Bestandteil | Art | Beleg |
|---|---|---|
| Raffinerieverarbeitung, Rohöl zu Fertigprodukt. Der größte Posten. Gemessen wird er als Crack Spread gegen die Produktnotierungen ARA: Eurobob oxy für Benzin, ICE Low Sulphur Gasoil für Diesel | Herstellung | 19, 20, 21 |
| Beimischung von Biokomponenten zur Erfüllung der Treibhausgasminderungsquote | gesetzliche Abgabe | 14, 23, 24 |
| Beitrag an den Erdölbevorratungsverband, 3,56 EUR je Tonne | gesetzliche Abgabe | 15, 16 |
| Transport und Lagerung | Vertrieb | 14 |
| Tankstellenbetrieb: Pacht, Personal, Kartengebühren | Vertrieb | 14 |
| Gewinn von Konzern und Tankstellenpächter. Der einzige Posten, der sich hier nicht beziffern lässt: er bleibt übrig, wenn man alles andere abzieht | Marge | 14, 25 |
Zwei Bestandteile sind gesetzlich erzwungen und stehen trotzdem nicht im Steuerband: die Treibhausgasquote und der Beitrag zur Pflichtbevorratung. Sie gelten nicht als Steuer, also zählt die Meldung sie zum Nettopreis. Wer das Steuerband für die vollständige staatlich verursachte Last hält, unterschätzt sie.
Wie der Kraftstoffpreis zerfällt auch der Strompreis in drei Teile: was die Energie kostet, was ihr Transport kostet und was der Staat darauf legt. Die Aufteilung stammt aus dem Eurostat-Datensatz nrg_pc_204_c, jährlich, je Land, im selben Verbrauchsband.27
| Bestandteil | Deutschland 2025 | EU-Durchschnitt 2025 | Art |
|---|---|---|---|
| Energie und Vertrieb | 14,81 | 12,46 | Beschaffung |
| Netzentgelte | 11,30 | 8,15 | Transport |
| Steuern, Abgaben und Umlagen | 12,41 | 8,26 | Staat |
| Summe | 38,52 | 28,87 | - |
Werte in Cent je kWh. Die Summe geht genau auf den veröffentlichten Gesamtpreis auf.
Der Steuerblock im Einzelnen, ebenfalls in Cent je kWh:
| Bestandteil | Deutschland 2025 | EU-Durchschnitt 2025 |
|---|---|---|
| Mehrwertsteuer | 6,15 | 4,36 |
| Kapazitätsabgaben | 2,37 | 0,78 |
| Umweltabgaben | 2,05 | 1,91 |
| Abgaben für erneuerbare Energien | 0,28 | 0,69 |
| Sonstige | 1,56 | 0,52 |
| Summe | 12,41 | 8,26 |
Ein Unterschied zum Kraftstoff ist wichtig: Netzentgelte sind weder Rohstoff noch Steuer, und sie machen in Deutschland fast ein Drittel aus. Sie in "den Rest" zu werfen wäre derselbe Fehler, den das Margenband dieser Seite erklärt.
Auch die beiden Steuerbegriffe sind nicht deckungsgleich. Beim Kraftstoff liegen Treibhausgasquote und Bevorratungsbeitrag im Nettopreis und zählen damit nicht zum Steuerband, wie im Abschnitt über das Margenband beschrieben. Beim Strom rechnet Eurostat Kapazitäts- und Erneuerbaren-Umlagen in den Steuerblock. Die Abweichung geht zulasten des Kraftstoffs: der tatsächliche Abstand ist eher größer als der hier gezeigte.
Kraftstoffpreise stammen aus dem Weekly Oil Bulletin der Europäischen Kommission1, der Rohölpreis von der Federal Reserve Bank of St. Louis2, der Wechselkurs von der Europäischen Zentralbank3. Alle drei sind ohne Schlüssel abrufbar und werden bei jedem Bau neu geholt.
Alle Reihen liegen auf einem gemeinsamen wöchentlichen Raster (Montage, ab 2005-01-03). Täglich gemeldete Werte wie Rohöl und Wechselkurs werden auf dieses Raster vorwärtsgefüllt: fehlt ein Wert an einem Montag, zählt der letzte bekannte Wert der vorangegangenen 7 Tage. Liegt auch der länger zurück, bleibt der Wert leer. Rohölpreise werden von US-Dollar je Barrel in Euro-Cent je Liter umgerechnet, ein Barrel entspricht 158,987 Litern. Der Steueranteil in den Preisboxen ist die Differenz aus Brutto- und Nettopreis, der Rohölanteil ist der aktuelle Rohölpreis in Cent je Liter, der Rest ist Produktaufschlag und Marge. Woraus die beiden oberen Bänder jeweils bestehen, steht in den Abschnitten darüber.